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DHL: Onlinehandel, Internationalisierung und der stationäre Handel

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DHL möchte den internationalen Versand vereinfachen. Ein weltweites Zulieferungsnetz soll durch „nahtlosen Zugang zu einem Netzwerk von Fulfillment-Centern und den integrierten DHL-Versandangeboten“ ab sofort in Kraft treten, schrieb dazu kürzlich  onlinehändler-news.de. DHL kann damit umso mehr vom wachsenden E-Commerce profitieren – auch international. Ergibt es aber tatsächlich Sinn, Ware über tausende Kilometer zu transportieren, die wahrscheinlich vor Ort verfügbar ist?

Die Richtung, die DHL mit dieser Entwicklung einschlägt, ist in jedem Fall ökologisch wie ökonomisch zu hinterfragen. Ist ein Netzwerk aus weltweiten Fulfillment-Centern tatsächlich der effizienteste Weg, um Lücken in der internationalen Belieferung zu schließen? Durch lange Transportwege über Ländergrenzen hinweg wird weder wirtschaftlich noch umweltschonend gehandelt. Hier stellt sich die Nutzung regionaler Optionen als effizientere Lösung dar.

Marktplatz von Amazon und co.: Bestehende Ideen nutzen

Etwa die Otto-Group zeigt, wie insbesondere der nationale Handel die Segmente online und offline zusammenführen kann – ähnlich den Konzepten von Amazon, Zalando und Ebay. In direkter Konkurrenz zu Amazon bietet auch das deutsche Versandunternehmen seit kurzem einen ‚Marktplatz’, an dem lokale Händler teilnehmen können.

Ottos Ziel: Die Orientierung hin zu kürzeren Transportwegen, also zur Nutzung all jener kleinen Versandlager, die bereits vorhanden sind – den Händlern vor Ort. So ist der Marktplatz im jeweiligen Land des Onlinekunden nutzbar, die Transportwege zum Kunden bleiben also innerhalb eines Landes. „Unser Ziel ist es, der logistische Partner für viele lokale Händler […] auf dem Weg in den E-Commerce zu werden“, äußerte Otto-Chef Marc Opelt gegenüber der Internetworld. Kunden erhalten so eine breitere Sortimentsauswahl, die Ausführung neuer Versandkonzepte, wie Same-Day-Delivery oder Click&Collect, wird erleichtert und Transportwege werden effizienter. Auch das Versandhaus profitiert hiervon. Es sind mehr Waren zur gleichen Zeit verfügbar, da jeder Händler in der Regel unterschiedliche Sortimente bedient.

Warum aber ‚Onlinehandel‘ nicht noch einfacher denken? So macht es etwa der deutsche Modeversandhandel Zalando in Kooperation mit dem Softwareunternehmen gaxsys aus Stutensee vor. Die Tochter-GmbH der Software-Manufaktur Dr. Thomas und Partner ermöglicht den nahtlosen Einbezug lokaler Händler in den Onlinehandel. Stationäre Händler benötigen nicht einmal eine eigene Onlinepräsenz, etwa in Form des Marktplatzes bei Amazon oder Otto, sondern können mit minimalsten technischen Voraussetzungen über ein einfaches Tool Aufträge für Zalando abwickeln – ohne viel Aufwand vom wachsenden E-Commerce profitieren. Dabei werden ab dem Bestelleingang lokale Händler in der Nähe des Onlinekunden bevorzugt. Kann innerhalb von drei Stunden kein stationärer Händler den Auftrag erfüllen, übernimmt Zalando selbst.

DHL: Internationalisierung berechtig aber…

Dieses System könnte nun auch innerhalb anderer Länder weitergedacht werden. Es würde sich so ein noch engmaschigeres Netzwerk aus stationären Händlern im jeweiligen Land ergeben, als durch die Neuerrichtung großer Fulfillment-Center, die lange Wege abwickeln müssen. „Nicht nur in Deutschland haben wir einen selbstständig geprägten Einzelhandel. In ganz Europa ist das Geschäftsmodell umsetzbar, wie unsere Aktivitäten in Österreich und der Schweiz bereits zeigen. Diese sollen bereits dieses Jahr weiter über den Kontinent ausgedehnt werden und das Modell ist natürlich auch weltweit denkbar.  Der wirtschaftlich unabhängige Händler vor Ort, liefert uns nicht nur die regionale Nähe, sondern sorgt mit seinem Angebot auch für eine große und individuelle Vielfalt.“ argumentiert Mile Hodak, Sales Manager bei gaxsys.

Zurück zum internationalen Ausbau des Onlinehandels von DHL. Die Frage nach der Internationalisierung scheint berechtigter denn je, so steht es im Whitepaper von TextMaster zu den Perspektiven der Internationalisierung der deutschen Digitalwirtschaft ab 2017. In der Umsetzung jedoch gibt es, das zeigt sich vor allem an Zalando und gaxsys, ökologisch wie auch ökonomisch effizientere Netzwerke, die weiter ausgebaut werden können, als die von DHL angestrebte internationale Lösung. Jürgen Gerdes, Vorstand des Post-eCommerce, erklärte im Zuge der Neuerungen, ohne nahtlose und zuverlässige Logistikabläufe wäre der aktuelle E-Commerce-Boom nicht denkbar. Wie sich die digitale Internationalisierung der DHL weiter entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: ein internationaler Ausbau der Zusammenarbeit mit lokalen Händlern innerhalb der Länder wäre nicht nur spannend und wünschenswert, sondern auch ökologisch wie ökonomisch um ein Vielfaches effizienter.

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