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Onlinehandel nur für Eliten? Der asiatisch-europäische Vergleich

Der Onlinehandel in Asien wächst, aber Europa muss sich nicht verstecken.

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Anhand des Reports “Payments & E-Commerce Report Asia Pacific“ und den Studien “European B2C E-Commerce-Report 2016“ und “E-Commerce Europa 2016“ habe ich den asiatischen mit dem europäischen Onlinehandel verglichen. Auf den Punkt gebracht: Wer in Asien kein Geld hat, darf nicht am Onlinehandel teilnehmen. Zudem ist China meines Erachtens gesellschaftlich gesehen kein Weltmarktführer.

Asiatischer Pro-Kopf-Umsatz von 13 Eurocent

Der asiatisch-pazifische Raum mit seinen 48 Ländern erstreckt sich über 44.579.000 Quadratkilometern und ist mit einem jährlichen Umsatz von 770 Milliarden US-Dollar im Onlinehandel Weltmarktführer. 86 Prozent des dort erwirtschafteten Umsatzes entfallen dabei auf die Länder: China, Indien, Indonesien, Japan, Malaysia, Philippinen, Singapur, Südkorea, Thailand und Vietnam. Das geht aus dem Report “Payments & E-Commerce Report Asia Pacific“ des Bezahlmethoden-Spezialisten PPRO hervor. Bei 5.096 Milliarden Einwohnern entspricht das einem Pro-Kopf-Umsatz von etwa 0,15 US-Dollar (13 Eurocent).

Wachsende Mittelschicht verantwortlich für E-Commerce-Umsatz in Asien

Dennoch: Der Umsatz im asiatisch-pazifischen Raum konnte gegenüber 2015 um 44 Prozent gesteigert werden. Grund für das Wachstum ist laut dem PPRO-Bericht die wachsende Mittelschicht in den asiatischen Ländern. PPRO zufolge soll diese kaufwillige Gruppe bis zum Jahr 2020 auf 1,7 Milliarden Menschen anwachsen. Dann dürfte auch die Internetzugriffsrate der Länder von aktuell 37 Prozent weiter ansteigen – vorausgesetzt, die Bankeninfrastruktur wird ausgebaut. Sie ist dem Bericht zufolge Schuld an den im Verhältnis “wenigen“ Onlinezugriffen. Zudem verfügen 49 Prozent der asiatischen Bevölkerung aus Armutsgründen über kein Bankkonto. So ist ein Bankkonto in vielen asiatischen Ländern kostenpflichtig.

Europäischer Onlinehandel: langsamerer Wachstum, höherer Pro-Kopf-Umsatz

In Europa wächst der E-Commerce insgesamt etwas langsamer: Mit 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwirtschafteten die europäischen Länder im Jahr 2015 einen E-Commerce-Umsatz von insgesamt 455 Milliarden Euro. Wirtschaftsführend sind laut der Studie “E-Commerce Europa 2016“ von Twenga Solutions mit gemeinsamen 81,5 Prozent des europäischen Umsatzes die drei Länder Großbritannien (175,1 Milliarden Euro), Frankreich (64,9 Milliarden Euro) und Deutschland (59,7 Milliarden Euro). Für Deutschland ein gutes Ergebnis; auch weil die bisherigen Prognosen für den Onlinehandel hierzulande mit ähnlich hohen Umsätzen jonglierten.

Für Osteuropäer sind Preise westeuropäischer Online-Händler zu hoch

Glaubt man dem “European B2C E-Commerce-Report 2016“, in dem für das kommende Jahr ein gesamteuropäischer E-Commerce-Umsatz von 510 Milliarden Euro prognostiziert wird, werden davon wahrscheinlich wieder viele osteuropäische Länder kaum profitieren. Denn wie in dem Bericht aufgeführt wird, sind für diese Staaten die Preise der westeuropäischen Onlinemärkte mit ihren niedrigen Einkommen kaum zu stemmen. Ein polnischer Bürger verdient laut Länderdaten.info beispielsweise durchschnittlich 925 Euro im Monat. Dieser Betrag liegt nur ein wenig höher als das Nettoeinkommen von 781 Euro, das in Deutschland bereits die Armutsgrenze markiert. So sind bei der Bevölkerungszahl von 821 Millionen Menschen durchschnittlich etwa 554 Euro ein stolzer europäischer Pro-Kopf-Umsatz. Vergleicht man diesen mit den 73 Prozent derer, die Zugang zum Internet haben, steigt der Betrag sogar auf etwa 754 Euro pro Verbraucher.

Traurig: E-Commerce-Umsatz lässt Einkommensschwache außen vor

Betrachtet man nun den europäischen mit dem asiatischen Pro-Kopf-Umsatz, lässt das Asien als Weltmarktführer im E-Commerce nicht mehr ganz so stark erscheinen: 554 Euro (EU) vs. 0,13 Euro. 60 Prozent der Weltbevölkerung leben in Asien. Die Tatsache, dass der asiatisch-pazifische Raum 5.096 Milliarden Menschen beherbergt, macht also einen Umsatz von 770 Milliarden US-Dollar, trotz der schwindelerregenden Menge dennoch plausibel. Traurig ist aus meiner Sicht aber, dass 63 Prozent der asiatischen Bevölkerung gegenüber 27 Prozent der europäischen nicht am E-Commerce partizipieren können.

Eine schwache Bankeninfrastruktur in Asien und astronomische Preise für Teile beider Kontinente macht den E-Commerce zu einem Markt der Reichen. Laut dem Positionspapier zur neuen Asien-Politik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung leben auf dem Kontinent sogar 1,3 Milliarden Menschen von weniger als zwei Dollar am Tag. Ein weiteres Beispiel: Mit 17.493 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2015 ist Deutsche Post DHL Deutschlands führender Versanddienstleister. Setzt man ausgehende und eingehende Warenströme des Versandanbieters, der im asiatischen Raum 10.063 Millionen Umsatz generiert, in Verhältnis wird sichtbar: Es stehen sich 101 Millionen Tonnen Export mit 49 Millionen Tonnen Import gegenüber. Das bedeutet, während einkommensstarke Länder wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland von den niedrigen Preisen des asiatischen Marktes profitieren, bezieht Asien als Weltmarktführer im E-Commerce um 50 Prozent weniger Produkte aus Europa als andersherum.

Zudem entpuppen sich laut dem Report “Payments & E-Commerce Report Asia Pacific“ bargeldlose Bezahlsysteme als eine Frage des Einkommens. Ist eine Wirtschaft nicht erst wirklich fördernd, wenn die gesamte Bevölkerung davon profitieren kann? Für mich ist es nur eine rhetorische Frage, auf die Lösungen für das “Wirtschaftswachstum für alle Bevölkerungsgruppen“ als Antwort folgen müssen.

Teaserbild: Deutsche Post DHL Presse

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